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14.10.2019, 18:57 Uhr

Wisente wiederansiedeln

Der Europäische Bison könnte in Wahner Heide und Königsforst wieder eine geeignete Heimat finden…

Wisent im Neandertal
Wisent im Neandertal
© Justus Siebert
Der Wisent (Bos bonasus) ist eine heimische Wildrindart, die bis ins Mittelalter – bis zu seiner Ausrottung durch den Menschen - in Mitteleuropa vorkam. In den 1920er Jahren war der globale Bestand auf 12 Tiere in Zoos zusammengeschrumpft. Von diesen stammen alle heute etwa 3 000 lebenden Wisente ab, sodass die genetische Verarmung eine nach wie vor große Bedrohung für die Art darstellt. Die Wiederansiedlung und damit die Populationsentwicklung unter natürlichen Bedingungen ist ein wesentlicher Schlüssel, um die Art überhaupt bewahren zu können.

Seit 1940 sind in verschiedenen europäischen Staaten Nachfahren dieser Zootiere wieder aus gewildert worden. Populär sind heute die Wisentpopulationen im polnischen Bialowieza und im ukrainischen Tschernobyl. Die erste deutsche Wiederansiedlung fand in 2013 im nordrhein-westfälischen Kreis Siegen-Wittgenstein statt. Leider wird dieses eigentlich erfolgreiche Pilot-Projekt durch Klagen benachbarter Waldbesitzer systematisch behindert.

In verschiedenen Regionen Deutschlands werden derzeit Wiederansiedlungen des Wisents diskutiert. Der WWF hatte mit einer im November 2017 publizierten Studie 10 Gebiete vorgeschlagen, die eine besondere Eignung aufweisen. Dabei handelt es sich überwiegend um großflächige Nationalparks außerhalb von NRW, u.a. Harz und Schwarzwald. Das Projekt Wisent-Welt Wittgenstein zeigt aber, dass es darüber hinaus noch weitere geeignete Gebiete geben kann. Wichtig ist nur, dass all diese Gebiete langfristig über Biotopverbünde mit einander vernetzt werden können.

Wisente fristen bisher v.a. in Zoos und Wildparks ein nicht artgerechtes Dasein
Wisente fristen bisher v.a. in Zoos und Wildparks ein nicht artgerechtes Dasein
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Für Nordrhein-Westfalen wurden durch den BUND in 2012 die Naturerbefläche „Münsterländer Heidemoore“ vorgeschlagen und die Idee durch örtliche Biostationen aufgegriffen. Aber auch Wahner Heide-Königsforst könnten aus Sicht des Bündnis Heideterrasse eine Eignung aufweisen. Es handelt sich um einen Schutzgebietskomplex, der um einige 1000 ha größer ist als das Wittgensteiner und das Münsterländer Gebiet, insgesamt etwa 6 500 ha. Verglichen mit dem Kreis Siegen-Wittgenstein ist das Konfliktpotenzial mit privaten Landbesitzern hier geringer, da sich das Gebiet vollständig in öffentlicher Hand befindet und kaum private land- und forstwirtschaftliche Betriebe direkt angrenzen. Die Autobahnen, die Wahner Heide und Königsforst tangieren bzw. zerschneiden, sind bereits heute weitgehend ausgezäunt. Lediglich im Falle von mehreren Landes- und Kreisstraßen müssten z.B. durch Geschwindigkeitsanpassungen zusätzliche Vorkehrungen getroffen werden. Die Erfahrung aus Wittgenstein zeigt zudem, dass auch die Erholungsnutzung der beiden Schutzgebiete nicht gefährdet werden würde. Hier sind lediglich Verhaltensregeln zu vermitteln, die aber im Wesentlichen bereits Teil der Schutzgebietsgebote sind, u.a. das Anleinen von Hunden und die ausschließliche Nutzung ausgewiesener Wanderwege.

In der Wahner Heide finden seit Jahrzehnten unterschiedliche Beweidungsprojekte mit Nutztieren wie Wasserbüffeln, Hausrindern, Eseln, Schafen, Ziegen und Ponys statt. Diese werden aber nur gezielt in Offenlandhabitaten eingesetzt, mittlerweile überwiegend auf eingezäunten Großkoppeln. Die Wiedereinführung einer wild lebenden, ursprünglich heimischen Paarhuferart würde aus naturschutzfachlicher Sicht eine wesentliche Bereicherung und sinnvolle Ergänzung zu den bestehenden Beweidungsprojekten darstellen, auch da hiermit weitaus mehr Naturschutzgebietsfläche einbezogen werden könnte.

Das Bündnis Heideterrasse will im ersten Schritt Expertise von erfahrenen Fachleuten einholen und im Dialog mit den Flächeneigentümern für die Idee der Wiederansiedlung des Wisents werben.