03.08.2026, 00:17 Uhr

Unterer Scheuermühlenteich trocknet wieder aus

Dynamische Wasserstandsschwankungen sind natürlich und ein Segen für die biologische Vielfalt des Naturschutzgebiets der Wahner Heide...

Unterer Scheuerteich mit dem trocken gefalllenen und bunt blühendem Teichboden
Unterer Scheuerteich mit dem trocken gefalllenen und bunt blühendem Teichboden
© Bündnis Heideterrasse
Das Austrocknen des unteren Scheuerteichs am westlichen Rand der Wahner Heide ist mal wieder zum Porzer Politikum hoch gekocht worden. Wir versuchen an dieser Stelle, die Debatte auf Grundlage der Fakten zu versachlichen.

1) Die Zuchtformen der Karpfen (Cyprinus carpio) im Scheuerteich sind durch Angler eingesetzt worden. Sie kommen hier von Natur aus nicht vor und sind auch kein Schutzgegenstand. Es ist natürlich, dass beim Austrocknen von Stillgewässern Fische verenden, erst recht solche, die es hier von Natur aus gar nicht gäbe. Das ist für das einzelne Tier tragisch, aber Teil unserer natürlichen Kreisläufe, die Fische werden zur Nahrungsgrundlage für viele andere Organismen. Das Tierschutzrecht läuft bei wild lebenden Tieren natürlich ins Leere, alles andere wäre absurd.

2) Der Grund dafür, dass der untere Scheuerteich als Naturschutzgebiet ausgewiesen worden war, waren v.a. hochgradig gefährdete Pflanzengesellschaften, welche die natürlich wechselnden Wasserstände und damit das periodische Austrocknen von Stillgewässern benötigen. Denn alle natürlichen und naturnahen Gewässer haben solche dynamischen Wasserstandsschwankungen. Diese seltenen Pflanzengesellschaften fanden am unteren Scheuerteich eines ihrer letzten Rückzugsgebiete in der Region.

Teichboden mit Wilder Sumpfkresse, Sumpf-Ruhrkraut und Floh-Knöterich
Teichboden mit Wilder Sumpfkresse, Sumpf-Ruhrkraut und Floh-Knöterich
© Bündnis Heideterrasse
Der Botaniker Sebastian Schmidtlein hat dies im berühmten "gelben" Wahner-Heide-Buch von 1989 beschrieben. Dazu zählten Flutender Sellerie (Heloscadium inundatum) und das Froschkraut (Luronium natans), die E. Sauer Anfang der 1950iger Jahre teilweise noch in Massenbeständen vorgefunden hatte. "Sie starben hier größtenteils nach Ausbleiben der ehemals mehrere Meter betragenden Wasserspiegelschwankungen aus. Seit dem Beginn der Nutzung für den Angelsport wurde der Wasserspiegel ständig hochgehalten. Außerdem ergab sich...durch die Angelnutzung eine zunehmende Nährstoffbelastung." (Schmidtlein 1989). Er berichtete noch von Resten der so genannten Strandlingsgesellschaften mit der Nadelsimse (Eleocharis acicularis) und dem Strandling (Littorella uniflora). Selbst diese scheinen inzwischen aus den genannten Gründen ausgestorben zu sein. Dennoch blüht auf dem trocken gefallenen Teichboden für jeden sichtbar die bunte Vielfalt auf. Die violett blühenden Acker-Minze (Mentha arvensis) und Blutweiderich (Lythrum salicaria) und die gelb blühenden Sumpf-Ruhrkraut (Gnaphalium uliginosum) und Wilde Sumpfkresse (Rorippa sylvatica) sind keine seltenen Arten der Strandlingsgesellschaften, aber sie erhöhen die biologische Vielfalt enorm.
Teichboden mit Ackerminze und Blutweiderich
Teichboden mit Ackerminze und Blutweiderich
© Bündnis Heideterrasse
Und bei naturschutzgerichtetem Management, zu welcher die Aufgabe der Vorhaltung eines permanent hohen Wasserspiegels und jeglicher Angelnutzung mit Einsatz irgendwelcher Fischarten gehören, können vielleicht einige der verschollenen Arten wieder auftauchen.

3) Ohne das periodische Austrocknen des unteren Scheuerteichs würde dieser viel schneller verlanden. Denn bei permanentem Wasserstand sammeln sich organische Substanzen auf dem Teichboden an. Der sich ansammelnde Schlamm führt nach und nach zu einer Anhebung des Teichbodens und damit zur Ansiedlung von Gehölzen, welche die Verlandung noch beschleunigen. Fällt der Teichboden aber trocken, können in dieser Phase organische Substanzen z.B. durch Bakterien mineralisiert und Biomasse abgebaut werden. Das Verlanden kann auch schön und wertvoll sein, wie man am verlandeten mittleren Scheuerteich, der im Naturschutzgebiet östlich an den unteren anschließt und heute bewaldet ist, erkennen kann. Aber es gibt dann eben kein Stillgewässer mehr. 

4) Das Gewässer ist u.a. mit PFT (perfluorierte Tenside) belastet, damit auch die dort vorkommenden Fische. Daher können die kontaminierten Fische auch nicht in weniger belastete Gewässer eingebracht werden. Grund für die Belastung sind v.a. 60 Jahre Flughafenbetrieb. Denn diese synthetischen Verbindungen wurden über Jahrzehnte hinweg in Luftverkehr und in Löschwassern eingesetzt. Der nach dem Zweiten Weltkrieg mitten im seit 1931 bestehenden Naturschutzgebiet Wahner Heide gebaute Flughafen Köln-Bonn ist also auch hier eine Altlast.

Graureiher freut sich über die verfügbaren Fische
Graureiher freut sich über die verfügbaren Fische
© Bündnis Heideterrasse

5) Die in den Jahren 2018 bis 2020 und nun wieder seit diesem Jahr signifikant gesunkenen Niederschläge im Sommerhalbjahr, Folge eines hemmungslosen Verbrauchs fossiler Brennstoffe auch der Deutschen und der Porzer, könnten problemlos kompensiert werden, wenn die Restmoore der Wahner Heide endlich einmal wiedervernässt werden würden. Es rauscht das ganze Jahr über immer noch viel zu viel Wasser von der Heideterrasse runter in den Kölner Randkanal, weil die massiven Entwässerungsmaßnahmen der Preußen und v.a. der Nationalsozialisten nie zurück gebaut worden sind. Zwar plant der Bundesforst eine Wiedervernässung der etwa 50 ha umfassenden Scheuerbachmoore. In der Wahner Heide gibt es aber Kohlenstoff- und Methansenken in der Größenordnung von 500 ha, die nicht nur für die biologische Vielfalt, sondern auch für den Klimaschutz von entscheidender Bedeutung sind. Die funktionieren aber nur, wenn man die Gräben wieder schließt die künstliche Eintiefung des Scheuerbachs rückgängig macht und damit Wasser zurück hält, das dann das ganze Jahr über, wenig aber dafür stetig, über den Scheuerbach in Richtung Rhein abfließt. Ein nachhaltiger Schlüssel für die Konflikte rund um den unteren Scheuerteich ist also die konsequente und zügige Wiedervernässung im FFH- und Vogelschutzgebiet Wahner Heide.