Wahner Heide
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16.04.2018, 14:31 Uhr

Biotopverbund und Bachrenaturierung

Wie gut ist der Austausch zwischen K├Ânigsforst und Wahner Heide?

Blick auf die Gr├╝nbr├╝cke ├╝ber die L284
© BUND RBK
Die grossen Schutzgebiete K├Ânigsforst und Wahner Heide werden durch drei parallel laufende Transportwege voneinander getrennt, n├Ąmlich die Autobahn A3, eine Bahnlinie und die R├Âsrather Strasse (L284). Am 15.04.2018 f├╝hrte Frau Janina Schmidt zu einigen nat├╝rlichen und menschengemachten Elementen, welche diese beiden Gebiete dennoch zum gr├Â├čten Naturschutzgebiet Nordrhein-Westfalens verbinden. Wof├╝r braucht man ├╝berhaupt einen Biotopverbund? Es geht darum, dass Tiere (und damit auch Pflanzen) wandern k├Ânnen, also ein Austausch von Arten und Genen stattfindet: Ein Gebiet, das ohne Austauschm├Âglichkeiten zerschnitten wird, l├Ąuft Gefahr, dass die Teile nicht mehr f├╝r eine sich selbst erhaltende Population reichen. Dar├╝ber hinaus k├Ânnen in den verbliebenen Fragmenten bereits durch zuf├Ąllige, eigentlich nur ├Ârtlich begrenzte, Ereignisse Arten oder Gene verloren gehen.

Furt ├╝ber den Giesbach im s├╝dlichen K├Ânigsforst
© BUND RBK
Studien in unterschiedlichen ├ľkosystemen haben gezeigt, dass sich Verluste besonders bei Schl├╝sselarten ├╝ber die ├ľkosystemfunktionen hochskalieren und zum Beispiel zu gravierenden Ver├Ąnderungen des Pflanzenbestandes und der davon abh├Ąngigen Tierwelt f├╝hren. Aber auch bei Nicht-Schl├╝sselarten k├Ânnen sich mehrfache Verluste auf den Lebensraum auswirken. Ein Biotopverbund zwischen K├Ânigsforst und Wahner Heide erfolgt auf dem Landweg durch die beiden Gr├╝nbr├╝cken, die seit 2013 an einer Stelle Autobahn und R├Âsrather Strasse ├╝berbr├╝cken. Die dort aufgestellten Fotofallen dokumentieren, dass die Gr├╝nbr├╝cken durch das Wild zur Querung der Hindernisse zwischen K├Ânigsforst und Wahner Heide genutzt wird. Hier kann man sicherlich von einer Erfolgsgeschichte sprechen.

Ein kleiner Rohrdurchmesser bedingt eine starke Str├Âmung (Kurtenwaldbach)
© BUND RBK
Ein weiteres Ziel der Exkursion waren die aquatischen Verbindungselemente "Giesbach" und "Kurtenwaldbach". Beide entspringen im K├Ânigsforst und durchfliessen den Nordteil der Wahner Heide. In nat├╝rlichen Gew├Ąssern k├Ânnen sich die wasserbewohnenden Lebewesen stromauf und stromab hin und her bewegen. Dabei gehen Insektenlarven, Bachflohkrebse und andere Wirbellose bei Hochw├Ąssern oder St├Ârungen durch Fressfeinde schon einmal leicht "in die Drift", das hei├čt, sie lassen sich kurz mit der Str├Âmung bachabw├Ąrts tragen, also zum Beispiel weg von dem Fressfeind. Es wird davon ausgegangen, dass besonders bei Insektenlarven die Abtriebstrecke oft gr├Âsser ist, als die Larven durch stromauf gerichtete Bewegungen kompensieren. Bei den Insekten f├╝hren daher die gefl├╝gelten Adulten einen stromauf gerichteten Kompensationsflug durch. Keinen Kompensationsflug durchf├╝hren k├Ânnen Arten, die ihr ganzes Leben im Wasser verbringen, wie beispielsweise Krebse oder Fische. Sie sind auf die Durchl├Ąssigkeit in beide Richtungen angewiesen.

© BUND RBK
In diesem Sinne optimal gel├Âst erscheint die Furt des Giesbach im s├╝dlichen K├Ânigsforst. Hier fliesst der Bach frei ├╝ber den Waldweg. Typischerweise sieht die Situation aber anders aus, so auch wenige Meter stromauf, wo die Fu├čg├Ąngerbr├╝cke den Bach quert. Unter den Br├╝cken von Giesbach und Kurtenwaldbach wird der Bach in der Regel in ein oder zwei schmale R├Âhren gezw├Ąngt. Die Str├Âmungsgeschwindigkeit in diesen R├Âhren ist entsprechend hoch. Tiere, die an die in der Wahner Heide typischen schwach str├Âmenden sandgepr├Ągten Niederungsb├Ąche angepasst sind, schaffen es nicht, dieses Hindernis gegen den Strom zu ├╝berwinden. Renaturierungen betreffen folglich nicht nur die freie Strecke, sondern auch Querverbaue beziehungsweise Br├╝ckenwerke. Insgesamt betrachtet war es eine hochinteressante Exkursion, die f├╝r das Thema der Habitatszerschneidung sensibilisiert hat.


PK