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16.11.2015, 10:54 Uhr

Drachenfliegen über der Heide

Die Libellenarten der Wahner Heide

Es gibt eine neue Publikation über die Libellenfauna der Wahner Heide: Heide Gospodinova und Heinz-Willi Wünsch haben den "Bericht über die Kartierarbeiten zur Libellenfauna in der Wahner Heide im Zeitraum von April bis September 2015" herausgebracht.

Die Wahner Heide gilt als das artenreichste Libellengebiet Deutschlands. Doch 2015 war kein gutes Libellenjahr: abhängig von der jahreszeitlichen Verteilung der Niederschläge sowie der Sonnentage wechseln natürlicherweise gute mit schlechten Jahren. Aber die Untersuchung soll fortgesetzt werden, sodass den beiden Autoren vielleicht sogar wieder - wie des öfteren in den Vorjahren - Neu- und Wiederfunde gelingen.

Hier geht es zur Seite der beiden Autoren.

Am Seitenende finden sie außerdem die aktuelle Artenliste über die Libellen der Wahner Heide.

24.12.2008: Sie spucken kein Feuer, und stechen können sie übrigens auch nicht - höchstens zubeißen, wenn man unberechtigterweise meint, sie fangen zu müssen. Aber ihre Flugkünste sind auf dieser Welt unerreicht. Daher ihr englischer Name: dragonfly, was Drachenfliege bedeutet.


Die Wahner Heide ist für die Libellenarten dieses Landes ein bedeutender Refugialraum, auch wenn der Rückgang der Moore im vergangenen Jahrhundert sowie die Eingriffe in das Scheuerbachsystem und die Aggeraue zu einer Reduzierung der Artenvielfalt in der Wahner Heide führte. Es ist zu hoffen, dass es durch die bestehenden und geplanten Wiedervernässungen von Heidemooren zur Erholung von Beständen und zur Wiederbesiedlung verschollener Arten kommt.

Im folgenden sollen einige typische Arten vorgestellt werden.

Plattbauchlibelle kurz nach dem Schlüpfen
Plattbauchlibelle kurz nach dem Schlüpfen
© D.Rothkopf
PLATTBAUCH
(Libellula depressa)
Die Weibchen sind gelb gefärbt, die Männchen blau. Als typische Art der kleinen Temporärgewässer ist sie von Mai bis Juli häufig an Panzertümpeln anzutreffen. Die Larve kann die Austrocknung des Tümpels überstehen.

GEBÄNDERTE PRACHTLIBELLE (Calopteryx splendens)
Diese in der Niederheinischen Bucht gefährdete Libellenart findet sich in der Wahner Heide v.a. an der Agger. Wie bei allen Libellen wachsen ihre Larven im Wasser auf.
Die Gebänderte Prachtlibelle ist nicht ganz so anspruchsvoll wie ihre nahe verwandte, die bundesweit gefährdte BLAUFLÜGEL-PRACHTLIBELLE (Calopteryx virgo), die in der Wahner Heide an einigen Bachabschnitten verbreitet ist.

AZURJUNGFERN (Coenagrion spec.)
Diese Libellengattung ist mit mehreren Arten in der Wahner Heide vertreten. Sie werden alle gut 3 cm lang und ihre Flügel haben eine Spannweite von 4 cm. Eine der vier häufigsten Libellenarten der Wahner Heide ist die HUFEISEN-AZURJUNGFER. Das Männchen hat einen bläulich-türkisen Hinterleib, während der des Weibchens grünlich gelb ist.

Die GEFLECKTE HEIDELIBELLE (Sympetrum flaveolum) konnte durch die letzte Größere Untersuchung der Libellenfauna durch Barbonne (1996) nicht wieder aufgefunden werden.
Im Osten der Wahner Heide gelangen an ein und der selben Stelle 1987 und 1993 Sichtbeobachtungen, für die es Fotobelege gibt. Es handelt sich bei dem Habitat um nährstoffreiche Temporärgewässer auf einer artenreichen Feuchtwiese. Die Gefleckte Heidelibelle wird in der aktuellen Roten Liste Deutschlands (1998) als gefährdet eingestuft.

Die ARKTISCHE SMARAGDLIBELLE (Somatochlora arctica) galt in NRW als ausgestorben, bis sie in den 80iger Jahren in der Wahner Heide wiederentdeckt wurde. Sie ist eine Reliktart der letzten Eiszeit.

Die Wahner Heide hält für ihre Liebhaber immer wieder eine Überraschung parat. Bei der Durchsicht von Fotos von Landschaftswacht Werner Funken fiel eine Nahaufnahme einer Libellenart aus dem Jahre 2002 auf, die noch nie in der Wahner Heide gefunden wurde: Die GEMEINE KEILJUNGFER (Gomphus vulgatissimus). Die Art, die zum Zeitpunkt ihrer "Entdeckung" durch Linne 1758 als sehr gemein ("vulgatissimus") galt und an allen möglichen Fließgewässern vorgekommen sein muss, war bis in die Neunziger bundesweit vom Aussterben bedroht. In Folge von Naturschutzmaßnahmen scheint sich der Bestand gebeitsweise zu erholen: in NRW gilt sie derzeit "nur noch" als stark gefährdet.

Nordische Moosjungfer in der Wahner Heide (2008)
Nordische Moosjungfer in der Wahner Heide (2008)
© waldschrat-online.de
Willi Wünsch und Heide Gospodinova entdeckten 2008 zwei hochgradig gefährdete Arten, die in den 80 Jahren zuvor nicht mehr in der Wahner Heide nachgewiesen worden waren: Die Heidemoorart NORDISCHE MOOSJUNGFER und der Fließgewässerspezialist KLEINE ZANGENLIBELLE. Letztere galt nach der noch aktuellen Roten Liste von 1999 als ausgestorben für den Naturraum der Niederrheinischen Bucht.

HS