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06.04.2005, 13:06 Uhr

Altenrather Kannenbäcker

Ausstellung im Infozentrum Wahner Heide zeigt die Töpfereigeschichte des alten Heidedorfs...

© Infozentrum Wahner Heide
4. April 2004 - Wer gemeint haben sollte, Altenrath sei nur auf Heidesand gebaut, der konnte sich am Sonntag eines weit Besseren belehren lassen: Auf dem Gelände des Info-Zentrums war eine Ausstellung zur Töpferei im Dorfe zu sehen. Herausgestellt wurde dabei, welche Spuren das Handwerk im Laufe der Jahrhunderte hinterlassen hat. Werner Funken aus Lohmar zeigte seine Sammlung aus hunderten von Scherben, die er in Altenrath gefunden hat: von unscheinbaren braunen Bruchstücken bis hin zu glasierten Teilen und vor allem Scherben mit kobaltblauen Ornamenten auf einem blassgrauen Untergrund. Auch Schautafeln und das Modell einer mittelalterlichen Töpferscheibe mit Fußantrieb zeigte er. "Ich sammele seit rund zwei Jahren", sagte Funken, der gerade auf dem Gelände des Informationszentrums immer wieder fündig wurde. Denn just an der heutigen FlughafenStraße siedelte im 17. Jahrhundert eine der Altenrather Töpferfamilien und profitierte von den Tonlagerstätten in der Nähe des Ortes.

Der Geschichte des Handwerks in der Heide hatte schon 1999 die Historikerin Ursula Francke ihre Doktorarbeit gewidmet. Sie ging auch der Frage nach, woher die Töpfer stammten und nannte ihre Promotionsschrift nicht von ungefähr "Kannenbäcker in Altenrath". Die Gestaltung der Becher, Kannen und Humpen verweise auf Verbindungen zum Westerwald, wie auch die Namen von Familien, die sie hier wie dort nachweisen konnte. Spuren führten aber auch in das berühmte Töpferzentrum Siegburg. Dort hätten die Benediktiner-Äbte in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts die Zünfte schlecht behandelt, so dass manche Familien umgesiedelt seien. Vor allem nach der Zerstörung der Aulgasse in Siegburg durch spanische Truppen 1632 sollen Töpfer in die Heide gezogen sein - das ergaben zumindest die Forschungen eines Siegburger Pfarrers aus dem Jahre 1873.

© Infozentrum Wahner Heide
Das Ende der Kannenbäckerei aber datiert Francke bereits auf die 1680er Jahre - als Folge einer wirtschaftlichen Depression und von kriegerischen Auseinandersetzungen, bei denen die rechtsrheinischen Lande immer wieder von marodierenden französischen Truppen heimgesucht wurden.

Werner Funken mit Rekonstruktion mittelalterlicher Töpferscheibe
© Infozentrum Wahner Heide
HS