Wahner Heide
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24.09.2017, 13:00 Uhr

Exkursionsbericht zu ‚??Lebendige Gew√§sser im Herbst‚??

Leitbilder, Pl√§ne und Herausforderungen bei der Umsetzung der WRRL an S√ľlz und Agger...

Mannstaedter Wehr
© BUND RBK
... waren das Thema der gemeinschaftlichen Tagesexkursion von NUA und und Aggerverband am 22.09.2017. Im Rahmen einer Vorexkursion hatte die ortskundige F√ľhrung aus der Vielzahl an M√∂glichkeiten sechs repr√§sentative und leicht zu erreichende Punkte an der unteren Agger und der unteren S√ľlz (Planungseinheit 1100) ausgew√§hlt. Die drei ersten Exkursionsziele liegen in bzw. grenzen an die Heideterrasse. Der erste Exkursionspunkt war das rauschende Mannstaedter Wehr bei Troisdorf. Hier wurde ein gewisses Mass an Durchg√§ngigkeit geschaffen. Die Massnahmen waren aber durch die √∂rtlichen Gegebenheiten gebunden. Das starke Rauschen und die vielen weissen Kronen an den Stromschnellen zeigen an, dass das Wehr nur leistungsstarke Fische passieren l√§sst. Dies gilt leider trotz der Fischtreppe, die sich langfristig als wenig effektiv erwiesen hat. Leistungsstark sind gute Schwimmer wie Lachse und Forellen. Herr Nemitz (Rheinischer Fischereiverband 1880 e.V.), berichtete, dass hier jedes Jahr 200-300 Lachse passieren, um in Agger und S√ľlz abzulaichen. Eine Optimierung der Durchl√§ssigkeit f√ľr schw√§chere Schwimmer wie beispielsweise Karpfenartige w√§re sicherlich der R√ľckbau des Wehrs, welcher aber unter anderem aufgrund von Wasserrechten nicht durchf√ľhrbar ist ‚?? das am Wehr abgeleitete Wasser ist f√ľr die Mannstaedt-Werke n√∂tig und speist den Sieglarer M√ľhlengraben.


Submerse Makrophyten eines strömungarmen Bereichs
© BUND RBK
F√ľr den zweiten Exkursionspunkt ging es an den in dem Beitrag vom 04.07.2017 (link zum Beitrag) bereits vorgestellten S√ľdbereich der Wahner Heide nahe des Aggerstadions. Hier hat die Agger einen Defekt der Uferbefestigung genutzt, und eine hohe Vielfalt an Lebensr√§umen bez√ľglich Uferb√∂schung und Durchstr√∂mung geschaffen. Im Umfeld weist die Aue ein deutliches Gel√§nderelief auf. Die Senken zeichnen den ehemaligen Lauf der Agger nach. Die Referenten Frau Dipl.-Biol. Leuchtenberg und Frau Dr. Mickoleit (beide: Aggerverband) erl√§uterten, dass die Wiederanbindung der Aue minimalinvasiv erfolgen soll, dies auch im Hinblick auf den Anfall von Erdaush√ľben. Interessanterweise ergeben sich hier bei der Durchf√ľhrung einer grossfl√§chigen Revitalisierung der Aue, die doch eigentlich naturschutzfachlich gew√ľnscht sein sollte, unter anderem aus naturschutzfachlichen Gr√ľnden Hindernisse. Grund sind die zahlreichen Schutzgebiete mit ihren diversen Schutzgebietszielen. Diese sind f√ľr jede Art von Eingriff bindend. So kam dann auch aus dem Publikum die Anmerkung, den historisch gewachsenen Schutzgebietsflickenteppich doch einmal durch eine Neuplanung auf eine gemeinsame Linie zu bringen. Sicherlich ein zweischneidiges Schwert: dann w√§re auch bei naturschutzfachlich nicht gew√ľnschten Eingriffen die Durchf√ľhrung erleichtert.

S√ľlz-Renaturierung bei Lohmar
© BUND RBK
Der dritte Exkursionspunkt lag an der unteren S√ľlz auf der H√∂he des Erlebnis-Bauernhofs ‚??Krewelshof‚?? und wurde ebenfalls durch oben genannte Referentinnen vorgestellt. An dieser Stelle wurde die S√ľlz vor √ľber zehn Jahren (Umsetzungsphase: 2002-2005) in ein neues geschwungenes Bett mit gr√∂sserer Aue umgeleitet. In der Aue kann sich das Ergebnis sehen lassen: die Gew√§sserstruktur ist abwechslungsreich und die Substratdiversit√§t der Sohle hat sich ohne weitere Eingriffe erh√∂ht. Einen Wermutstropfen gibt es jedoch. Die Erfolgskontrollen insbesondere das Makrozoobenthos (das sind die wirbellosen Gew√§sserbewohner wie Eintagsfliegen, K√∂cherfliegen, Muscheln oder Bachflohkrebse) betreffend weisen laut den Berechnungen der √ľblichen Indices keine deutliche Verbesserung der √∂kologischen Qualit√§tsklasse auf. Fehlende Erfolge auf Basis der Gew√§sserbewertung sind nach Renaturierungen nicht un√ľblich. Die Gr√ľnde sind vielschichtig. Ma√?geblich sind beispielsweise die Nutzungen im Einzugsgebiet, die zu Eintr√§gen von N√§hr- und Schadstoffen, aber auch von Feinsedimenten (Schwebpartikeln) unterschiedlichen Ursprungs und Wassererw√§rmung f√ľhren k√∂nnen. Die von stromauf wirkende physico-chemische Degradation wird mit einer lokalen strukturellen Verbesserung nicht beseitigt. Langfristig k√∂nnen Renaturierungen dennoch die Qualit√§t des Gew√§ssers erh√∂hen ‚?? und zwar, wenn sie in ausreichender Zahl auch im Oberlauf und in einer r√§umlichen Anordnung umgesetzt wurden sind, welche die Wiederausbreitung der Zielarten erm√∂glicht.

Langsamer str√∂mender Bereich der S√ľlz-Renaturierung bei Lohmar
© BUND RBK
Restpopulationen anspruchsvoller Arten kommen meist nur weit entfernt vor, wodurch sich die Besiedlung verz√∂gert. Die Vertreter des Aggerverbands konnten auf der Basis von begleitenden Diplomarbeiten aufzeigen, dass es an der vorgestellten Massnahme durchaus positiv zu bewertende √?nderungen in der Zusammensetzung der Artengemeinschaften gibt. Diese gehen aber bei der Umrechnung zu Bewertungs-Indices verloren. Da die Bewertung leitbildspezifisch erfolgt, aber am Rande der Heideterrasse die Sandfracht naturgem√§ss zunimmt, kann zus√§tzlich ein Problem des Leitbilds vorliegen. Handelt es sich hier um ein grobsubstratreiches silikatisches Gew√§sser der Mittelgebirge, oder ergibt sich am Rande der K√∂ln-Bonner Bucht unter dem Einfluss der Heideterrasse vielleicht eine √?bergangszone (feinsediment- bzw. sandgepr√§gt und Tieflandeinfl√ľsse)? Die weiteren Exkursionspunkte lagen an der Agger (Lohmar-Donrath, Overath-Cyriax, Ehreshoven I) und damit jenseits der Heideterrasse. Aber auch dort wurde deutlich, dass, so sehr man es sich auch w√ľnscht, schnelle Erfolge in komplizierten Dynamiken schwierig sind. Die Gemengelage aus nat√ľrlichen Gegebenheiten, historischen Wasserk√∂rpermodifikationen und Wasserrechten, Grundbesitz und Interessen der Anlieger, Nutzungskonflikten, Vorgaben der WRRL, Bewirtschaftungsformen im Einzugsgebiet, Gesetzesvorgaben und Landschaftsplanung ben√∂tigt einen langen Atem, gute Fachkenntnisse aus unterschiedlichen Disziplinen und vor allem auch Hartn√§ckigkeit bei der Umsetzung.

PK